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Ein Schumannmärchen
Es war einmal eine Zeit, in der war es gewünscht und üblich, dass Interpreten Werke nicht bloß exekutierten, sondern Varianten hinzuerfanden, phantasierten und Extempores zu Gehör brachten. Der schöpferischen Umgang mit der Überlieferung galt einmal als selbstverständlich. Man ging überhaupt nur zu einer Schubertiade oder zu einer Soirée, um etwas Unwiederholbares und Unerhörtes zu erleben, mehr noch, um sich an der Entstehung eines Kunstwerkes zu beteiligen. Denn eigentlich gab es damals noch gar kein Publikum, nur Mitwirkende. Nie wäre ein Musiker auf die Idee gekommen, sich selbst zu leugnen und nur Noten zu spielen, ohne ins Feuer der Begeisterung zu geraten. [more]
Davon hat sich etwas bis auf den heutigen Tag erhalten: obwohl gedruckter Text keine Vortragsbezeichnungen enthält, betonen Schauspieler ihn gewöhnlich dennoch, sprechen Dialekt, kürzen, ändern oder variieren nach eigenem Gutdünken oder nach dem Willen der Regie.
Und niemand käme auf die Idee zu sagen, da vergreife sich einer an Meisterwerken...

Und heute?
Schumann lebt!
Und weil er nicht gestorben ist, singen und spielen Julian Prégardien und Michael Gees Robert Schumann.
Und das, was ihnen dazu einfällt, auch.

Robert Schumann (1810–1856): opus 24 (1840) nach Texten Heinrich Heines mit Extempores
Auszüge aus Waldszenen opus 82 (1848/1849) sowie aus Humoreske in B-Dur opus 20 (1839)
Ausgewählte Lieder mit Extempores
Clara Schumann (1819–1896):Lorelei (1843)

Julian Prégardien (T), Michael Gees (Klav)

"In romantischen Salons mag es gar nicht so viel anders zugegangen sein: Julian Pregardien und Michael Gees präsentierten in der Gare du Nord ein Liederprogramm mit improvisatorischen Zügen. Ein Programmblatt gab es sehr wohl, aber es war eines, das nicht alles verriet. So musste man als Zuhörer des Liederabends im Basler Musikbahnhof die Ohren spitzen, um jeweils herauszufinden, wo genau Sänger und Pianist über den Notentext hinausgingen, sich von Schumanns Rhythmus forttragen ließen ins offene Feld des Improvisaton."

Basler Zeitung