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Das Konzert meines Lebens

Dein Leben als Musik
Gedanken, Themen und Töne
Erlebtes besinnen, Worte finden, selbst verständlich werden

Live – Komposition: Michael Gees

Sie erzählen von einem zentralen biographischen Ereignis, etwa von einem Wendepunkt in Ihrem Leben. Ich begegne vom Klavier aus mit Musik, die beim Zuhören entsteht. Als wäre Ihre Biographie eine Partitur, in der die Ereignisse klingend notiert sind und hörbar werden.
Vom gewählten Ereignis kommen Sie auf weitere Erinnerungen, die von der Musik beschützt und dadurch sagbar werden. Einerlei, ob Sie ins Sinnen oder ins Stocken geraten – die Musik ist da, gewährt Pausen und baut Brücken. Sie sagen, wie es war und hören, wie es klingt.
Manchmal bringt die Musik Sie überhaupt erst auf Begebenheiten, dann wird das Konzert Ihres Lebens zum Dialog.
Nach etwa einer Stunde finden wir ein Ende: weil es für diesmal genug ist.
Ein Ihnen vertrauter Mensch ist mir als stummer Zeuge willkommen. Gern bin mit einer Tonaufnahme vom Konzert Ihres Lebens einverstanden, vielleicht, dass sich Ihre Kinder oder Enkel eines Tages dafür interessieren.

Die exklusive Besetzung sichert die Einhaltung der jeweils aktuellen Corona-Bestimmungen. 

Fragen und Anmeldungen zum Konzert meines Lebens unter: Michael Gees, gees@consoltheater.de.


Das Konzert meines Lebens 

Ein Erlebnisbericht

Über das „Konzert meines Lebens“ haben wir schon länger gesprochen, aber heute wollen wir uns konkret treffen. Ich spüre die Aufregung, „es richtig machen zu wollen“. Das kenne ich von mir. Ich nehme meine Unsicherheit wahr. Mir gehen Fragen durch den Kopf: werde ich genug zu erzählen haben? Was passiert, wenn mir nichts mehr einfällt, wenn es zu persönlich, zu komisch oder belanglos ist. Was, wenn ich nicht verstanden werde? Ich sitze auf dem Sofa, der Flügel ist gerade so weit von mir entfernt, dass ich sprechend hörbar bin. 

Ich habe eine Erinnerung mitgebracht, die ich erzählen will. Es ist eine Engstelle in meinem Leben, an der sich viele Lebensthemen zeigen. Ich fange an zu sprechen, in die Stille hinein und erlebe das Klavier lauschend, nicht fragend, sondern erlaubend. „Sei mit dem hier, was sich jetzt zeigen will - es darf sein“ - dieses Gefühl breitet sich in mir aus.

Meine Einstiegsgeschichte sind meine Herbstferien vor 23 Jahren. Als Älteste von damals bald sieben Kindern werde ich für eine Woche zur Patentante geschickt um dort zu helfen. So wie ich heute hat meine Patentante drei kleine Kinder, nur ist sie damals jünger als ich und schon am Ende ihres Lebens. Sie stirbt wenige Wochen nach meinem Besuch. 

Während ich die Geschichte hervorhole, spüre ich Raum, ein offenes Ohr, das sich mit dem Klavier zu vergrößern scheint. Ein Klangraum, der mich inspiriert. Die Geschichte von damals kann heute in mir neu entstehen, mir wird zugehört, ich werde liebevoll begleitet, gesehen, mit einem Abstand und der nötigen Ruhe. Hier gelingt die Eigendrehung, nach der ich mich in meinem Elternhaus oft gesehnt habe.

Das wenige „Kindsein-Können“ und das „Zuviel an Verantwortung“ ist etwas, das mich nach wie vor in meinem Leben beschäftigt. In Michaels Spiel erlebe ich ein „Sich zur Verfügung stellen“, Konzentration und Weite, mit der ich mich meinen eigenen Themen spielerisch zuwenden kann. 

Ich habe eine tönende Aufforderung erwartet, so etwas wie ein „erzähl mehr davon!“ Stattdessen höre ich eher einen Klang wie „willst du etwas erzählen?“ Ich will nicht müssen, bemerke ich daran, ich will wollen – und das ist hier möglich in einer Zone, die sich von Bewertungen immer wieder frei spielt.

In nur sprechender Weise das Gefühl haben zu können, musizierend zu sein und dass es sich so ganz nach mir anfühlt - damit habe ich nicht gerechnet. Manchmal ist es so als würde das Hörbild umkippen. Dass ich Möglichkeiten höre und ihnen nachgehe, dass ich genauer und tiefer in ein Thema eintauche als ich es alleine getan hätte. Ich spüre, wie ich Worte formuliere und mich über sie wundere. Ich kann den Abstand zu meinen Gefühlen kreieren, ich fühle mich zugleich durchlässig und geschützt. Ich höre dunkle Klänge, es ist eine Dunkelheit, die leuchtet. Ich finde mich wieder versunken im Spiel.

Dass es einen Rahmen für meine Erzählungen gibt, verschafft mir Sicherheit, und zwar genau da, wo ich sie früher manchmal vermisst habe. Meine Geschichten kenne ich, aber bei diesem Konzert haben sie sich anders zueinander bewegt. Der Fluss der Musik macht die Erinnerungen lebendiger, gestaltbarer und sie bekommen mehr Leichtigkeit und Weite. Ich spüre meine Wirksamkeit, meine eigene Präsenz, das Potenzial des Lebens, das sich gerade aus den schweren Momenten meiner Biografie entfaltet.

Herbst 2021, Eiisabeth Menke

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