Improvisation kommt in Mode.

Kaum noch eine Großstadt ohne Circle Singing oder Improvisationsorchester. 

'Klassische’ Musiker*innen machen Extempores zunehmend zum Bestandteil ihrer Programme. Musikwissenschaftler entdecken die Kunst des Augenblicks als einen Aspekt historischer Aufführungspraxis. Musikhochschulen lehren schöpferisches Musizieren. Wer hätte das vor noch zwanzig Jahren gedacht?

Extemporierte Kammermusik in der Elbphilharmonie, spontane Textvertonung im Wiener Musikverein: wir werden erleben, wie in den Kathedralen der Überlieferungskultur Musik live komponiert wird. Wie früher.

Es ist kein Zufall, dass die Improvisation in unserer Zeit eine Renaissance erlebt. 

Viele Menschen spüren, dass es auf Phantasie und Geistesgegenwart zunehmend ankommen wird und dass (gemeinschaftliche) Improvisation ein soziales Übungsfeld ist für den Aufbau positiver Abhängigkeit und Solidarität.

Hinzukommt: Genie ist kein Einzelwesen.

Muße, Hingabe und Liebe zur Sache sind Talente, die uns alle zur Kreativität des Demokratischen (Joseph Beuys) qualifizieren, Profis wie Amateure.

 Mehr als bisher will ich künftig dazu anregen, eigene Gestaltungsimpulse zu entwickeln und Spielregeln der Spontanerfindung und des musikalischen Miteinanders zu ermitteln, etwa bei Workshops für improvisierte, vokale oder instrumentaler Kammermusik, bei Liedkursen oder bei (Werkstatt- und Gesprächs-) Konzerten, kombiniert oder einzeln, solistisch oder mit improvisierenden Musiker*innen vor Ort.

Im Einzelnen: 


Improvisation, Spontankomposition für Sänger und/oder Instrumentalisten

für Kolleg*innen, die an partizipativer, demokratischer Musikübung interessiert sind und die ihre Fähigkeit zur Erfindung von Musik (wieder-) entdecken wollen.

Dazu führe ich Sänger und/oder Instrumentalistinnen zusammen und ermögliche vom Klavier aus die Gestaltbildung durch intentionales Hören und Spielen. 

Dabei gibt es nichts, woraus nichts werden könnte. Jeder Ton gilt, nichts ist falsch. 

Wir formulieren musikalisches Wollen, erkennen und benennen Spielregeln, führen, folgen und erleben Musik als hörbare Beziehung.

Wir präsentieren die Resultate als Werkschau improvisierter Kammermusik.

 

Liedesdienst

Wir singen Lieder, nach Noten oder nach Gehör, so wie sie überliefert oder komponiert sind. 

Und denken sie tönend weiter, wie unsere Vorfahren es einst getan haben, ohne die es heute gar keine Lieder gäbe. 

Wie sie spielen wir mit Möglichkeiten, entdecken, verwandeln und erfinden dazu – als wär's ein Lied von uns. 

Was könnte noch erklingen außer dem, was wir bereits kennen? So machen wir das Lied zu unserer eigenen Sache und erhalten es lebendig, Vertrautes erscheint uns neu.

Ein Kurs für Menschen, die gern singen, jung und alt, Profis und Amateure.

 

Aneignung – als wär's ein Lied von mir

In diesem Kurs für Sänger*innen und Liedduos fragen wir nach dem Wozu des Liedes, nach Authentizität und Glaubwürdigkeit. 

Dazu lauschen wir auf die Resonanz des Liedes in uns. Was finden wir an eigenen Anteilen, Beweggründen? Halten wir sie der Rede für wert? 

Was daran ist so allgemein gültig, dass auch andere davon wissen sollten? 

Überzeugen können wir nur von dem, was wir aus Eigenem zu sagen haben. 

Darum wollen wir werden, was wir singen, an selbstverständlicher Autorität des Vortrags gewinnen und mit tieferer Berechtigung auf der Bühne stehen.

 

KonzertMeditation 

Ein Format zur gemeinschaftlichen Spontanerfindung zeitgenössischer Musik für Profis und Amateure.

Einzige Spielregel: aus dem Moment heraus Musik erlauschen und, gemeinsam mit Spielpartner*innen, unter die Lupe der Aufmerksamkeit legen (meditieren).

Dazu verpflichten wir uns freiwillig, etwas miteinander anzufangen, in Beziehung zu bleiben und einander nicht zu verlassen. Die Idee bestimmt unser Verhältnis zueinander, jedes akustische Ereignis gilt und ist Beitrag zu einem Ganzen. 

Jederzeit soll das Unerwartete eintreten, jedes akustische Ereignis soll den weiteren Verlauf beeinflussen dürfen. 

Darüberhinaus keine Vorgaben oder Absprachen. 

Experimentierfreudige Musiker*innen, Sänger- und Instrumentalist*innen (vor Ort) sind zur partnerschaftlichen Mitwirkung eingeladen.

Konzertmeditation (Ausschnitt) mit Lothar Berger, Obertongesang, Tenri, Köln, 2017

https://webapp.new-art.nl/content/files/ExtemporesTenri17_Part2_mp3.MP3

 

 

 

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